Turmtour Weißer Hirsch Dresden

4. Die ‚Turm-Tour‘ im Stadtteil Dresden-Weißer Hirsch (Stadtteilführung)

– Ein Spaziergang auf den Spuren der ‚Türmer‚ zu deren Wohnhäusern auf dem Weißen Hirsch, wie sie im Roman von Uwe TellkampDer Turm“ dort ‚oben‘ beschrieben werden.

Dauer:

ca. 1,5 – 2 Stunden.
Stationen:

Beginn an der Talstation der Standseilbahn in Dresden-Loschwitz am Körnerplatz, Auffahrt zur Bergstation, Restaurant Luisenhof (Sibyllenhof), Plattleite (Hirschleite), Institut von Prof. Manfred Baron von Ardenne (im Roman der Baron Arbogast),

Wolfshügelstraße (Wolfsleite), Haus Wolfsstein, Friedensblick (Philalethesblick), Collenbuschstraße (Mondleite mit einem möglichen Tausendaugenhaus), Küntzelmannstraße (Villa Thalblick), Hermann-Prell-Straße (Italienisches Haus),

Oskar-Pletsch-Straße (Haus Karavelle/Haus Abendstern), Straße An der Berglehne (wo ein weiteres mögliches Tausendaugenhaus steht), Rißweg (Rißleite, Bäckerei Walther, Felsenburg), Bautzner Landstraße (‚Saftladen‘, Parkhotel (Hotel Schlemm), Kakadu-Bar (Paradiesvogel-Bar), Lahmannsches Sanatorium.

(Der Rundgang kann auch an der Bautzner Landstraße im Stadtteilzentrum des Weißen Hirsch, Haltestelle Plattleite der Straßenbahn Linie 11, Richtung Bühlau, begonnen werden.

Die Wegstrecke muß dann entsprechend geändert werden.)

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Blick zum Eingang zur Talstation der Standseilbahn vom Körnerplatz in Dresden-Loschwitz aus

„Wir hörten Musik, Eterna, Melodia hießen die Schallplatten, bei Herrn Trüpel gab es sie zu kaufen im Schallplattenladen >Philharmonia< an der Bautzner Straße, oder im >Kunstsalon am Altmarkt<

… die große Uhr schlug

– Dresden … in den Musennestern / wohnt die süße Krankheit Gestern …“

(Uwe Tellkamp, Der Turm, Geschichte aus einem versunkenen Land, Ouvertüre)

Uwe Tellkamp erklärt:

„Die Handlung dieses Romans ist frei erfunden. Die Personen, wie sie geschildert werden, leben in der Vorstellung und haben mit tatsächlich existierenden Menschen soviel gemein wie der Bildhauerton mit einer Skulptur.“

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Gebäude des Institutes von Prof. Manfred Baron von Ardenne im Grundstück Plattleite 19

Der Roman Der Turm beginnt mit einer Fahrt von Christian mit der Dresdner Standseilbahn von deren Talstation am Körnerplatz in Dresden-Loschwitz zu deren Bergstation in Oberloschwitz.

Die Strecke führt durch zwei Tunnel und über einen Viadukt, der nahezu parallel angelegt zum Tal der Trille verläuft. Diese fließt, verborgen unter der Grundstraße, hinab in Richtung Elbe, in die sie in Loschwitz mündet.

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Die Talstation der Standseilbahn am Körnerplatz in Dresden-Loschwitz

Der Blick geht vom Waggon der Standseilbahn über die Grundstraße zum Stadtteil Oberloschwitz am Dresdner Elbhang, dorthin, wo im ‚Turm‘ das geheimnisvolle ‚Ostrom‘ liegt.

In der Realität befindet sich „dort drüben“ die Bergstation der weltältesten Schwebebahn von 1901 mit einer Aussichtsplattform.

(Die Talstation der Schwebebahn befindet sich an der Pillnitzer Landstraße östlich vom Körnerplatz in Loschwitz fast neben der Loschwitzer Kirche von George Bähr, dem Architekten der Dresdner Frauenkirche.)

Gegenüber der Bergstation der Standseilbahn liegt das Restaurant Luisenhof, im Turm Sibyllenhof genannt.

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Die Bergstation der Standseilbahn

Über die Bergbahnstraße führt der Weg zur Plattleite, die zum Stadtteilzentrum des Weißen Hirsch an der Bautzner Landstraße führt. Im Roman heißt die Plattleite „Turmstraße“.

Links liegt das Gelände des Institutskomplexes mit dem Wohnhaus von Prof. Manfred Baron von Ardenne, im Turm der Baron Arbogast mit dem Hund Kastschej.

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Grundstück Plattleite 27 im Ardenne-Institut, links eine von zwei Sternwarten im Institutsgelände

Es empfiehlt sich, bei dieser Wahl der Wegstrecke zunächst in die Wolfshügelstraße (‚Wolfsleite‘) nach links abzubiegen, benannt nach einer Erhebung im nahegelegenen Waldgebiet Dresdner Heide, dem Wolfshügel über der Bautzner Straße.

Im Grundstück Wolfshügelstraße 12 befindet sich das Haus Wolfsstein mit einem achteckigen Anbau, im Roman „Fagott“ genannt.

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Wolfshügelstraße 12

Im Haus Wolfsstein brannte die „Geschichten-Lampe“.

Hier wohnen der Toxikologe Hans Hoffmann, Bruder von Christians Vater Richard Hoffmann, seine Frau, die technische Zeichnerin Iris, und deren Kinder Fabian und Muriel, Arno Krausewitz, Dispatcher auf dem Flughafen in Dresden-Klotzsche, Lucie Krausewitz und die Zahnärztin Frau Knabe und deren Ehemann.

Im Haus Nr. 7 wohnte der Schriftsteller, Bibliothekar an der Sächsischen Landesbibliothek, die sich bis 1945 im Japanischen Palais in der Inneren Neustadt befand, und Sekretär des Schriftstellers Gerhart Hauptmann, Erhart Kästner.

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Wolfshügelstraße 7

(Die Sächsische Landesbibliothek, nunmehr Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbilbliothek Dresden [SLUB] befindet sich jetzt im Süden der Landeshauptstadt Dresden im Gelände der Technischen Universität Dresden.)

Links abbiegend gelangt man zum ‚Oktoberblick‘ am ‚Mondleitenpark‘ an der Collenbuschstraße.

Uwe Tellkamp erzählt, dass die Anwohner die Anlage früher „Philalethesblick“ nannten, benannt nach König Johann von Sachsen, der noch als Prinz die Göttliche Komödie, die Divina Commedia, von Dante Alighieri aus dem Italienischen ins Deutsche übertragen und unter dem Pseudonym Philalethes (Freund der Wahrheit, der Wahrhaftigkeit) veröffentlicht hatte.

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Am „Mondleitenblick“/Philalethesblick/Friedensblick/Blomberg-Blick (heute namenlos) an der Collenbuschstraße

Die kleine Parkanlage hieß früher Blomberg-Blick. Der ehemalige Reichswehrminister Werner von Blomberg hatte als Kurgast auf dem Weißen Hirsch die Herstellung finanziell unterstützt.

Ein Obelisk erinnert an den sächsischen König Friedrich August II., der 1854 in Tirol mit seiner Kutsche tödlich verunglückt war.

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Der Friedensblick mit dem Friedrich-August-Obelisk

Westlich vom „Friedensblick“ (der auf modernen Karten namenlos ist) gelangt man zum Grundstück Collenbuschstraße 4.

Hier wohnte von 1952 bis zu seinem Tode im Jahre 1954 der dänische Schriftsteller und Wahl-Dresdner Martin Andersen Nexø, Autor u. a. von Pelle der Eroberer und Ditte Menschenskind.

Eine Gedenktafel erinnert an den ehemaligen Bewohner.

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Das Haus von Martin Andersen Nexø

Im Grundstück Collenbuschstraße 2 steht eines von zwei möglichen Tausendaugenhäusern.

Im Roman Der Turm wohnen dort Meno Rohde, Zoologe und Lektor im Hermesverlag, Bruder von Christians Mutter Anne, der pensionierte Schiffsarzt Alois Lange und dessen Frau Libussa, Familie Stahl, die Kaminski-Zwillinge und der Kampfgruppenkommandeur Pedro Honich sowie dessen Frau, die Pionierleiterin Babett Honich.

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Collenbuschstraße 2

Geht man weiter, gelangt man zur Küntzelmannstraße. In Nr. 5 steht die Villa Thalblick, in der 1906 während eines Kuraufenthaltes Thomas Mann wohnte.

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Villa Thalblick, Küntzelmannstraße 5

Im Grundstück Wolfshügelstraße 4 befindet sich die Villa Ebert. Im Juli 1903 zog hier Franz Kafka ein, um sich von den Anstrengungen einer juristischen Staatsprüfung zu erholen.

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Villa Ebert, Wolfshügelstraße 4

Im Grundstück Hermann-Prell-Straße 4 steht das Italienische Haus, die Villa Elbblick. Das Fenster im Obergeschoss gleicht einem riesigen Schlüsselloch.

Im Italienischen Haus wohnen: Ulrich Rohde, SED-Mitglied und Technischer Direktor in einem Betrieb, seine Frau Barbara, Kürschnerin und Schneiderin, ihre Tochter Ina, die Pädagogik studiert, und Herr Klothe, Abteilungsleiter im VEB Kombinat Robotron.

(Die ehemaligen ‚Robotroner‘ sagen noch heute: Wir waren bei ‚Robert Horn‘.)

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Die Villa Elbblick, im Roman das Italienische Haus

Über die Wolfshügelstraße (Wolfsleite) gelangen wir zum Rißweg und weiter zur Oskar-Pletsch-Straße.

Im Grundstück Nr. 11, im Haus Karavelle, wohnt die Familie von Christian Hoffmann: er, seine Eltern Richard (Chiurg) und Anne (Krankenschwester) sowie die Stenzel-Schwestern, André Tischer und Familie Griesel.

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Das Haus Karavelle

Fast gegenüber, im Grundstück Nr. 10, steht das Haus Abendstern.

Hier wohnen der Arzt Niklas Tietze, Onkel von Christian, und dessen Frau, die Schauspielerin Gudrun, Tante von Christian, deren Kinder Ezzo und Regine sowie der Schauspieler Erik Orré und dessen Familie.

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Haus Abendstern

 

An der Berglehne 18 steht ein zweites mögliches Tausendaugenhaus, der Fuchsbau.

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Der Fuchsbau mit drei sichtbaren Etagen und Keller von der Straße An der Berglehne aus

 

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Der Fuchsbau mit fünf sichtbaren Etagen von der Sonnenleite aus

 

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Das Gelände fällt hier vom Weißen Hirsch zur Grundstraße steil ab. Der Fuchsbau steht auf einer angelegten Terrasse am Hang über dem Tal der Trille.

 

Geht man von hier aus in Richtung des Stadtteilzentrums des Weißen Hirsch an der Bautzner Landstraße zurück, gelangt man zur Bäckerei Walther.

Im 6. Kapitel des Turmes („Frieh-stick“) sagt Libussa: „Ein schönes Friehstick! … Kann man Herrgott dankbar sein, daß es noch wenigstens mit Semmeln und Brot klappt in diese Staat.“

Meno dichtet: „Dich, o vollblütige Dresdner Semmel, will ich besingen …“.

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Die Feinbäckerei Walther

 

Geht man auf dem Rißweg („Rißleite“) weiter zur Bautzner Landstraße, kommt man zur Felsenburg, heute kein Hotel mehr.

Im Roman findet hier eine Geburtstagsfeier von Christians Vater Richard statt.

1917/18 erholte sich hier Oskar Kokoschka von einer Kriegsverletzung.

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Die Felsenburg

 

Im Dresdner Albert-Theater am Albertplatz (zwischen Innerer und Äußerer Neustadt gelegen, dort, wo sich früher das Schwarze Tor befand) erfolgten die Uraufführungen von Kokoschkas Dramen:

Hiob, Der brennende Dornbusch und: Mörder, Hoffnung der Frauen.

An der Kreuzung Rißweg/Bautzner Landstraße befand sich der „Saftladen“ (Der Turm, 19. Kapitel: Urania), in dem es „Nischt“ gab,

„>Nischt< waren Gelber Köstlicher, Schwarzwurzeln, Zuckerrüben, Bohnen, Möhren, Kohl und ein großes Schaff mit schmutzigen Kartoffeln. Dazu >Saft<: rote Brause …“.

Gegenüber lag die Konditorei Binneberg. – Binneberg, der Luisenhof und das Café Toscana am Schillerplatz am Brückenkopf der Elbbrücke Blaues Wunder in Blasewitz waren lokale ‚Institutionen‘.

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Der Luisenhof, auch Balkon Dresdens genannt, von der Bergbahnstraße aus

 

Im Haus Bautzner Landstraße Nr. 16 befand sich das Briefmarkengeschäft des Orts-Chronisten des Weißen Hirsch, Horst Milde. Im Turm heißt er Malthakus.

Ungefähr gegenüber des alten Kurhauses des Kurbades Weißer Hirsch steht das Parkhotel, im Turm das Hotel Schlemm.

Im Parkhotel befindet sich die (tatsächlich ‚verruchte‘) Kakadu-Bar. Im Roman ist sie die Paradiesvogel-Bar von Ladislaus Pospischil, mit Separees neben der Tanzfläche, mit Vorhängen vor neugierigen Blicken schützbar.

Hier sollen Ehen „gestiftet“ worden sein.

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Das Parkhotel

 

Westlich folgt das Gelände des >physiatrischen Sanatoriums< von Dr. Heinrich Lahmann, an den eine Gedenktafel an der Stechgrundstraße erinnert.

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Blick zu Lahmanns Sanatorium von der Bautzner Landstraße aus

Dr. Heinrich Lahmann war mit Karl Schmidt-Hellerau, dem Gründer der Deutschen Werkstätten Hellerau und Initiator der ersten deutschen Gartenstadt in Hellerau, sowie Eduard Bilz in Radebeul einer der drei bekanntesten Hauptförderer der Lebensreformbewegung in Dresden.

Geht man auf der Stechgrundstraße weiter, gelangt man zum Waldpark Weißer Hirsch, schon ein Teil des ca. 57 qkm großen Waldgebietes Dresdner Heide im Norden der Sächsischen Landeshauptstadt.

Im Waldpark erinnert der alte Konzertplatz an die Zeit des Kurbades Weißer Hirsch.

(Zur Geschichte des Stadtteils schauen Sie bitte auch auf meine Seite: ‚Loschwitz, Weißer Hirsch, Elbschlösser am Dresdner Elbhang‚, Station: ‚Weißer Hirsch‘).

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Friedensblick/Philalethesblick/“Mondleitenpark“

 

Im letzten Kapitel des Turmes „Der Magnet“ beschreibt Uwe Tellkamp die Ereignisse in Dresden im Zeitraum vom 3. zum 9. Oktober 1989, insbesondere das Geschehen am Hauptbahnhof und auf der Prager Straße, auf der es am Abend des 8. Oktober 1989 zur Gründung der Gruppe der 20 kam.

– Schauen Sie bitte hierzu auch auf meine Seite: Zeitzeugnis Herbst 1889.

Sehr wahrscheinlich war Uwe Tellkamp damals ein ebenso aufmerksamer Beobachter des Geschehens vor Ort wie auch ich – oder wie wohl auch Thomas Rosenlöcher.

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Die Bergstation der Standseilbahn

 

Aus Der Turm, 72. Kapitel, Der Magnet:

„(Generalsekretär)

>Heute ist die Deutsche Demokratische Republik ein Vorposten des Friedens und des Sozialismus in Europa.<

(Gorbatschow)

>Wer zu spät kommt …<

(Volk, im Chor)

>Freiheit<

(Sicherheitsminister)

>Also, wenn der, also der Genosse Gorbatschow weg ist, dann gebe ich den Einsatzbefehl, dann ist Schluss mit dem Humanismus!<

… aber dann auf einmal … schlugen die Uhren …

Gudrun sagte: >Wir treten aus unseren Rollen heraus.<

… Keine Gewalt …

… Wir sind das Volk …

… Wir sind ein Volk …

… aber dann auf einmal … schlugen die Uhren, schlugen den 9. November, >Deutschland, einig Vaterland<, schlugen ans Brandenburger Tor:“ –

(Fine.)

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Waggon der Standseilbahn in der Bergstation am Luisenhof

Zur individuellen Absprache rufen Sie mich bitte einfach an, Tel.: 49 (0) 351 471 32 24. Feste Geschäftszeiten habe ich nicht. Sie erreichen mich immer, wenn ich da bin, gern auch am Abend, sonst wenigstens den Anrufbeantworter. Mails beantworte ich an Werktagen gern binnen 24 Stunden.

Preise Stadtführungen Dresden:
Literatur:

Tellkamp, Uwe: Der Turm, Geschichte aus einem versunkenen Land, Roman, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 3. Auflage, 2012,

Nitschke, Katrin: Dresden, Ein Reisebegleiter, Zu Besuch bei den Türmern, Insel Verlag, Berlin, 2011.

Bilder „Turm-Tour“ Weißer Hirsch:

Sylvio Dittrich, www.dresden-fotografie.de, 2014.

Weißer Hirsch Dresden

Das Parkhotel („Hotel Schlemm“), in der Mitte der Eingang zur Kakadu-Bar („Paradiesvogel-Bar“)

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