Verschwundene Theater in Dresden

14. Verschwundene Theater in Dresden

Rundgang: Schauspielhaus, Zwingerhof, Residenzschloss, Theaterplatz

Wo hörte Johann Sebastian Bach, der gern als Gast in Dresden weilte oder als „Hofcompositeur“ Friedrich Augusts II. ab 1736 hier hin und wieder seinen Verpflichtungen nachkommen mußte, mit seinen Söhnen Wilhelm Friedemann Bach und Carl Philipp Emanuel Bach die von ihm spöttisch als „Dresdner Liederchen“ bezeichneten Opernaufführungen von Johann Adolph Hasse (Königlich Polnischer und Kurfürstlich Sächsischer Kapellmeister am Hofe Friedrich Augusts II. vom 1.12.1733 – 20.2.1764),

wo musizierte die 1548 gegründete Hofkapelle unter der Leitung von Heinrich Schütz (in Dresden von 1615 – 6.11.1672 in Dresden gest.),

wo dirigierte der Königliche Kapellmeister und Direktor der deutschen Oper Carl Maria von Weber (in Dresden ab 1817, gest. 5.6.1826 in London),

wo erfolgten die Uraufführungen der Opern des Königlich-Sächsischen Kapellmeisters der Dresdner Hofoper Richard Wagner (in Dresden von 1842 – 49): „Rienzi, der letzte der Tribunen“ (1842), „Der fliegende Holländer“ (1843), „Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg“ (1845) ?

Verschwundene Theater Dresden

Schauspielhaus

Stationen:

Beginn am (allerdings nicht verschwundenen) Schauspielhaus (Theaterstraße am Postplatz), 1911 – 13 errichtet von William Lossow und Max Hans Kühne, 1945 Zerstörung des Zuschauerraumes, das Bühnenhaus war erhalten geblieben, Wiederaufbau 1946 – 48, Neueröffnung 1948 mit Ludwig van Beethovens „Fidelio“,

bis zur Wiedereröffnung der 1945 ausgebrannten Semperoper (1870 – 78 errichtet) am 13.02.1985 genutzt als „Großes Haus“ des Staatstheaters Dresden für Schauspiel, Oper und Konzerte der „Staatskapelle Dresden“, wie die Sächsische Staatskapelle Dresden damals hieß,

altes Opernhaus am Zwinger (Stadtseite am heutigen Porzellanpavillon), errichtet Sept. 1718 – 25.08.1719 vom Architekten des Zwingers, Matthäus Daniel Pöppelmann, anläßlich der Hochzeitsfeierlichkeiten 1719 des Kronprinzen Friedrich August, Sohn Augusts des Starken und der Kurfürstin Christiane Eberhardine von Brandenburg-Bayreuth, und Maria Josephas, Großherzogin von Österreich, Tochter Kaiser Josephs I. und Amalia-Wilhelmines von Braunschweig-Calenberg,

Innenausstattung des alten Opernhauses von Alessandro Mauro, Zugänge zum Opernhaus Pöppelmanns vom Zwingerhof aus durch den heutigen Porzellanpavillon des Zwingers,

das alte Opernhaus am Zwinger hatte 2000 Plätze, war 54 x 24 Meter groß, Wirkungsstätte von Johann Adolph Hasse und seiner Gattin, der Sängerin Faustina Bordoni, 1722 Redoutensaal, während der Revolution von 1849 abgebrannt,

Komödienhaus am Taschenberg, 1664 – 67 von Wolf Caspar von Klengel errichtet, 1707 katholische Hofkirche, nach Fertigstellung der Hofkirche SS. Trinitatis (1751/54) ab 1754 Ballhaus, 1801 Hauptstaatsarchiv, 1889 abgebrochen, Riesensaal im Ostflügel des Residenzschlosses,

Mingottitheater in der Mitte des Zwingerhofes von Pietro Mingotti, 1746 – 29.01.1748 bespielt (abgebrannt), 350 Plätze,

das Kleine Komödienhaus (1696/97 – 1709 genutzt) am späteren Standort des Zwingers (Elbseite, ungefähr dort, wo sich heute der Zugang zur Gemäldegalerie Alte Meister von Gottfried Semper vom Theaterplatz aus befindet),

das erste von Gottfried Semper 1838 – 41 errichtete Hoftheater, in dem die Dresdner Uraufführungen der oben genannten Opern Richard Wagners („Rienzi“, „Der fliegende Holländer“, „Tannhäuser“) erfolgt waren, am 21.09.1869 bei Wartungsarbeiten abgebrannt, auf dem Theaterplatz nordöstlich der heutigen (zweiten) Semperoper gelegen, die als zweites Hoftheater 1870 – 1878 errichtet worden war, Eröffnung am 02.02.1878, 1945 ausgebrannt, Wiederaufbau 1977 – 85, Neueröffnung am 13.02.1985 mit Carl Maria von Webers „Der Freischütz“,

Verschwundene Theater Dresden

Semperoper, davor Reiterstandbild König Johanns (Philalethes)

Morettitheater von Pietro Moretti, 1754/55 von Julius Heinrich Schwarze und Hofzimmer-, Maschinenbau- und Theaterbaumeister Christian Gottlieb Reuß auf dem Gelände des Italienischen Dörfchens errichtet, dort, wo sich heute die Nordostseite des Theaterplatzes befindet,

das Morettitheater war 40 x 17 Meter groß, hatte drei Ränge, 350 Plätze, wurde 1783 für 800 Zuschauer erweitert, 1841 nach der Fertigstellung des ersten Hoftheaters Gottfried Sempers abgebrochen,
Wirkungsstätte von Carl Maria von Weber, Carl Gottlob Reißiger und Hofkapellmeister Richard Wagner,

es existieren noch das 1779 aus bürgerschaftlichem Engagement entstandene Societätstheater an der Hauptstraße in der Inneren Neustadt und das aus dem 18. Jahrhundert stammende Parktheater in der östlich der Innenstadt gelegenen Parkanlage Großer Garten,

verschwunden sind das Theater des Grafen Heinrich von Brühl, Premierminister Friedrich Augusts II. (als König von Polen August III.), das sich auf der Brühlschen Terrasse befand (1760 durch die Artillerie Friedrich des Großen im Siebenjährigen Krieg zerstört),

ebenfalls nicht mehr existieren: ein Theatersaal im Stallhof und das an der Elbe oberhalb der heutigen Diakonissenanstalt gelegene Linkesche Bad (1764 – 1858) mit dem seit 1776 betriebenen Sommertheater, an dem E.T.A. Hoffmann (1776 – 1822)  in den Jahren 1813/14 als Kapellmeister gewirkt hatte. (In Dresden waren seine Oper „Undine“ und die Novelle „Der goldene Topf“ entstanden.)

Dauer: ca. 1,5 Stunden.

Theater in Dresden

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