Brühlsche Terrasse, Festung Dresden, Balkon Europas

7. Brühlsche Terrasse (Festung Dresden, Balkon Europas)

(Dresden Sightseeing/Rundgang Innenstadt)

Das Dresdner Stadtzentrum ist derart reich an Geschichte, Baudenkmalen, plastischer Erinnerung und wertvoll-interessanten Sammlungen, dass eine Auswahl bei der Erschließung/Beschäftigung durchaus sinnvoll sein kann bzw. notwendig sein muss.

Die Brühlsche Terrasse war 1589 – 92 als Teil der Festungsanlagen der Festung Dresden, die die alte Residenzstadt mit knapp einem Quadratkilometer Fläche auf einer Länge von knapp vier Kilometern umgaben, errichtet worden, Baubeginn unter Kurfürst Christian I. (geb.1560, Kurfürst ab 1586, gest. 1591).

Ab 1739 – 48 überließ Kurfürst Friedrich August II. (als König von Polen August III.), Sohn Augusts des Starken und der Kurfürstin Christiane Eberhardine von Brandenburg-Bayreuth, seinem Premierminister Heinrich Reichsgraf von Brühl (1700 – 1763) nach und nach das elbseitig gelegene Festungsareal zur Nutzung, nachdem dieses militärisch obsolet (veraltet, unnötig) geworden war, und das nach Heinrich Reichsgraf von Brühl den Namen Brühlsche Terrasse trägt.

Brühlsche Terrasse, Festung Dresden, Balkon Europas

Die Brühlsche Terrasse von der Augustusbrücke aus, links die Kunstakademie mit der Kuppel des Ausstellungsgebäudes (Zitronenpresse), rechts die Kuppel und Treppentürme der Frauenkirche am Neumarkt, davor die Sekundogenitur auf der Brühlschen Terrasse, ganz rechts das Neue Ständehaus (OLG) am Schloßplatz, auf der Elbe Personendampfer der Sächsischen Dampfschifffahrt am Terrassenufer

Auf der Brühlschen Terrasse ließ Heinrich Reichsgraf von Brühl ein Belvedere und ein Theatergebäude (beide schon 1760 im Siebenjährigen Krieg durch preußisches Bombardement zerstört), einen Gartensaal, ein Bibliotheksgebäude und eine Gemäldegalerie errichten, letztere drei Gebäude wurden Ende des 19. Jahrhunderts abgebrochen, Bibliothek und Gemäldegalerie durch Neubauten ersetzt.

Im Jahre 1814 erfolgte die Errichtung der großen Freitreppe an der Westseite der Brühlschen Terrasse unter Gottlob Friedrich Thormeyer, durch die der öffentliche Zugang zur Brühlschen Terrasse vom Schlossplatz aus möglich gemacht wurde.

Im 19. Jahrhundert wurde für diesen erhaltenen Teil der ehemaligen Festungsanlagen um Dresden neben dem Namen „Brühlsche Terrasse“ auch die Bezeichnung „Balkon Europas“ gebräuchlich. Die Brühlsche Terrasse ist ca. 500 m lang, ca. 10 m hoch und hat eine Breite von 20 – 200 m.

Brühlsche Terrasse, Festung Dresden, Balkon Europas

Blick von der Brühlschen Terrasse in Richtung Kathedrale SS. Trinitatis, links vorn die Kunstakademie, in der Mitte die Sekundogenitur, dann der Turm des Neuen Ständehauses (OLG), in der Bildmitte die Turmhaube des Hausmannsturmes des Residenzschlosses, ganz rechts der Turm der Kathedrale Ss. Trinitatis

Stationen:

Schlossplatz mit Kathedrale Ss. Trinitatis, Residenzschloss, Augustusbrücke – auf der Brühlschen Terrasse: Sekundogenitur, Denkmal für Ernst Rietschel, Kunstakademie, Festung Dresden, Brühlscher Garten, Albertinum – Reformierte Kirche – Kurländer Palais – Neumarkt (Frauenkirche) – Jüdenhof (Johanneum/Verkehrsmuseum).

Schloßplatz am Altstädter Brückenkopf der Augustusbrücke, errichtet 1907 – 1910 unter Stadtbaurat Wilhelm Kreis und August Klette, 1814 von Gottlob Friedrich Thormeyer errichtete Treppe zur Brühlschen Terrasse mit Allegorien (1868 – 71 aus Sandstein gearbeitet, 1908 in Bronze gegossen) der Vier Tageszeiten von Johannes Schilling,

Brühlsche Terrasse, Festung Dresden, Balkon Europas

Allegorie „Der Abend“ aus dem Skulpturenzyklus „Vier Tageszeiten“

Am Schlossplatz die Kathedrale Ss. Trinitatis (Sanctissimae Trinitatis/Allerheiligste Dreifaltigkeit), erbaut 1739 – 1751/54 als Katholische Hofkirche, 1945 ausgebrannt und in Teilen zerstört, Einsturz der Gewölbe, Wiederaufbau ab Herbst 1945, Weihe des neuen Hochaltares am 8. Juli 1962, seit 1980 Kathedrale (Bischofskirche) des Bistums Dresden-Meißen,

Residenzschloss mit Georgenbau und Hausmannsturm, Denkmal (1843) König Friedrich Augusts des Gerechten von Ernst Rietschel, dem Nestor der Dresdner Bildhauerschule des 19. Jahrhunderts, Neues Ständehaus (1900 – 07) von Paul Wallot, heute Sitz des Sächsischen Oberlandesgerichtes und des Landesamtes für Denkmalpflege,

Brühlsche Terrasse, Festung Dresden, Balkon Europas

Schlossplatz mit Georgentor, Hausmannsturm, Kathedrale Ss.Trinitatis (ehemalige Hofkirche) links vorn Denkmal König Friedrich Augusts des Gerechten

Auf der Brühlschen Terrasse:

Sekundogenitur, 1896/97 von Gustav Frölich als fröhlich-heiteres Zeugnis des Neobarock in Dresden errichtet am Standort des zuvor abgebrochenen Brühlschen Bibliotheksgebäudes für die Bibliothek und Grafiksammlung des zweitgeborenen Prinzen, ab 1931 Galeriegebäude für die Galerie des 19. Jahrhunderts (aus der nach dem 2. Weltkrieg die Galerie Neue Meister hervorging [heute im Albertinum befindlich]) –

das Gebäude der Sekundogenitur wird seit dem Wiederaufbau 1963/64 nach der Zerstörung 1945 als Restaurant genutzt, heute zum Hotel Hilton gehörend,

Brühlsche Terrasse, Festung Dresden, Balkon Europas

Denkmal für Ernst Rietschel

Denkmal (1876) Ernst Rietschels (1804 -1861), des Nestors der Dresdner Bildhauerschule des 19. Jahrhunderts (Schöpfer des Lutherdenkmals in Worms und des Goethe-Schiller-Denkmals in Weimar) von Johannes Schilling, an der Stelle des Gartenpavillons von Heinrich Reichsgraf von Brühl, des Premierministers Friedrich Augusts II., errichtet –

der Pavillon war von Ernst Rietschel als Atelier genutzt worden, am 01.05. 1828 erfolgte hier durch Wilhelm Gotthelf Lohrmann, den Direktor des Mathematisch-Physikalischen Salons im Zwinger, die Gründung der Königlich-Sächsischen Technischen Bildunganstalt, aus der 1890 die Technische Hochschule, seit 1961 Technische Universität Dresden, hervorging (im Süden der Stadt gelegen),

Brühlsche Terrasse, Festung Dresden, Balkon Europas

Ein Knabe (Assistenzfigur) am Denkmal für Ernst Rietschel modelliert eine Büste von Gotthold Ephraim Lessing

Sieben-Bastionen-Installation (1990) von Vinzenz Wanitschke (19.6.1936 – 14.3.2012), Dresden, zur Erinnerung an die Umbenennung der Bastionen der Festung Dresden durch August den Starken im Jahre 1721, die nach Sonne, Mond und Planeten unseres Sonnensystems (Venus, Mars, Jupiter, Merkur und Saturn) benannt wurden,

Kunstakademie mit Ausstellungsgebäude, 1890 – 94 von Konstantin Lipsius an Stelle des Brühlschen Galeriegebäudes errichtet,

Brühlsche Terrasse, Festung Dresden, Balkon Europas

Die Kunstakademie mit dem Ausstellungsgebäude auf der Brühlschen Terrasse, dahinter die Kuppel der Frauenkirche, im Vordergrund Schiffe der Sächsischen Dampfschifffahrt am Terrassenufer

Festung Dresden und die Türkenkriege des 16. und 17. Jahrhunderts (1683 Entsatz von Wien unter Beteiligung eines sächsischen Kontingentes unter Führung von Kurfürst Johann Georg III., Abwehr des zweiten osmanischen Vordringens unter Kara Mustafa bis vor Wien, Belagerung vom 24.07. – 12.09.1683 [Schlacht am Kahlenberg] nach dem ersten Versuch 1529 unter Sultan Suleiman II., durch Sultan Mohammed II. Fall von Konstantinopel am 29.05.1453, 1571 Seeschlacht bei Lepanto),
Kleiner Kanonenhof,

Albertinum, ehemaliges Zeughaus, es beherbergt heute die Gemäldegalerie Neue Meister mit dem Gerhard-Richter-Archiv und die Skulpturensammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden,

Denkmal des Architekten Gottfried Semper (1892) von Johannes Schilling,

Brühlsche Gartenanlagen auf der Jungfern- , ab 1721 Venusbastei,
Delphinbrunnen (1748) von Pierre Coudray,
zwei Sphingen (ca. 1750) von Gottfried Knöffler am ehemaligen Zugang des schon 1760 im Siebenjährigen Krieg durch preußische Artillerie zerstörten Brühlschen Belvederes,
Denkmal (1989/90) für Caspar David Friedrich (1774 -1840) von Wolf-Eike Kuntsche (geb. 1941) mit einer Darstellung des zweckmäßig-bescheiden eingerichteten Ateliers des romantischen Malers, wie es dessen Kollege Georg Friedrich Kersting (1785 – 1847) im Jahre 1819 in einem Gemälde festgehalten hatte, Denkmal für den Maler und Buchillustrator des Zeitalters der Romantik Adrian Ludwig Richter,

Brühlsche Terrasse, Festung Dresden, Balkon Europas

Denkmal Gottfried Sempers von Johannes Schilling auf der Brühlschen Terrasse an der Treppe zum Georg-Treu-Platz, dahinter links die Kuppel der Frauenkirche, rechts die Kunstakademie mit der Kuppel des Ausstellungsgebäudes („Zitronenpresse“), auf der Kuppel Figur der Fama, der Göttin des Ruhmes/des Gerüchtes (lat.: fama est: ‚es wird gesagt‘, ‚es geht das Gerücht‘)

Böttgergedenkstele (1982) von Peter Makolies (geb. 1936), Dresden,
Erinnerung an die „Erfindung“ des europäischen Porzellans durch den ‚Alchemisten und Goldmacher‘ Johann Friedrich Böttger und den Universalgelehrten Ehrenfried Walther von Tschirnhaus 1708 oder 1709 in den Kasematten der Jungfernbastei der Festung Dresden (1710 Gründung der Porzellanmanufaktur in der Albrechtsburg in Meißen durch Friedrich August I.),

Reformierte Kirche (ehemalige Hofgärtnerei, ca. 1750 erbaut),

östlich neben der Brühlschen Terrasse:

die neue Synagoge am Hasenberg, 1999 – 2001 erbaut nach Plänenen des Architekturbüros Wandel, Lorch, Hoefer und Hirsch aus Saarbücken an der Stelle, an der Gottfried Semper bereits 1833 eine Synagoge errichtet hatte, die ein Opfer der Reichspogrom-/Kristallnacht 09./10. November 1938 geworden war, daneben das Gelände des 1853 zugeschütteten Gondelhafens,

Kopie (aus dem Jahre 2000) des Moritzmonumentes (Mitte 16. Jahrhundert, das Original, Entwurf: Caspar Voigt von Wierandt, Bildhauerarbeit: Hans Walther [II] befindet sich im Inneren der Brühlschen Terrasse in der ehemaligen Gießerei der Festung Dresden) an der Nordostecke der Brühlschen Terrasse,

dargestellt ist die Übergabe des Kurschwertes durch Herzog Moritz, der durch den Sieg an der Seite von Kaiser Karl V. in der Schlacht bei Mühlberg 1547 die Kurwürde für die albertinischen Wettiner erworben hatte, und der am 9.07.1553 in einem Gefecht bei Sievershausen von „dero eigenen Leuten“ versehentlich tödlich verwundet worden war, an seinen Bruder August, der Moritz in der Kurwürde folgte –

hinter Moritz ‚lauert‘ die Personifizierung des Todes, etwas kleiner dargestellt stehen neben den Kurfürsten deren Ehefrauen: Agnes von Hessen, die Gemahlin von Moritz, und Anna von Dänemark (‚Mutter Anna‘), die Ehefrau von ‚Vater‘  August, über allem schwebt, klein dargestellt, die Dreifaltigkeit, göttliche Zustimmung (Segen) zum Geschehen anzeigend,

Kurländer Palais, 1718 errichtet, 1728 während eines Besuches des preußischen Königs Friedrich Wilhelms I. und des Kronprinzen Friedrich (später Friedrich der Große) abgebrannt, 1729 von Johann Christoph Knöffel für den Kommandanten der Festung Dresden und Intendanten des Bauwesens August Christoph Reichsgraf von Wackerbarth (1662 – 1734) rekonstruiert, nach 1763 im Besitz von Prinz Karl, Herzog von Kurland von 1758 – 1763, Sohn Friedrich Augusts II. und Maria Josephas, Tochter Kaiser Josephs I. und Amalia-Wilhelmines von Braunschweig-Calenberg,

das Kurländer Palais war 1814 – 1864 Heimstatt der von dem königlichen Leibarzt, romantischen Maler und Naturphilosophen Carl Gustav Carus (1789 – 1869) gegründeten chirugisch-medizinischen Akademie, aus der das heutige Universitätsklinikum „Carl Gustav Carus“ hervorgegangen ist –

das Kurländer Palais war auch „Veranstaltungsort“ der von August dem Starkem gegründeten „Gesellschaft der Nüchternheitsgegner“ (Société des antisobres), heute Hotel, als letzte der in der Innenstadt nach der Zerstörung 1945 und der Abrissmanie der 1950er Jahre („Wir bauen Dresden wieder auf, schöner denn je!“) erhaltenen Ruinen in den letzten Jahren rekonstruiert,

Brühlsche Terrasse, Festung Dresden, Balkon Europas

Gartenanlage auf der Brühlschen Terrasse am Standort des Brühlschen Belvederes, links das Albertinum, rechts die Kunstakademie, links hinten die Frauenkirche am Neumarkt

anschließend Spaziergang zum Neumarkt mit dem Coselpalais, der Frauenkirche (errichtet 1726 – 1743, Wiederaufbau 1994 – 2005), Lutherdenkmal (1885) von Adolf von Donndorf und Ernst Rietschel, Denkmal (1877) König Friedrich Augusts II. von Ernst Julius Hähnel, Haus zum Schwan, Haus zur Glocke, Hotel de Saxe, neu errichteter Heinrich-Schütz-Residenz mit dem geborgenen Kinderfries des 1945 zerstörten ehemaligen Wohnhauses des Hofkapellmeisters, Köhlerschem Haus, Hotel Suitess, Aparthotels,

Blick zum Altmarkt mit dem Kulturpalast, errichtet 1966 – 69  nach Plänen von Wolfgang Hänsch und Herbert Löschau nach einem Entwurf von Leopold Wiel, Heimstatt der Dresdner Philharmonie,

Jüdenhof mit Türkenbrunnen (1683) und Johanneum (kurfürstliches Stallgebäude, Gemäldegalerie, Historisches Museum, heute Verkehrsmuseum).

Brühlsche Terrasse, Festung Dresden, Balkon Europas

Neumarkt, rechts Denkmal König Friedrich Augusts II.

Soweit noch Zeit, Kraft und Interesse vorhanden sind, kann der Rundgang mit Residenzschloss und Zwinger bis zum Theaterplatz mit der Semperoper, Denkmal König Johanns (Philalethes) und Gaststätte Italienisches Dörfchen fortgesetzt werden. (Der Preis ändert sich nicht.)

Brühlsche Terrasse, Festung Dresden, Balkon Europas

Gaststätte Italienisches Dörfchen am Theaterplatz

Dauer: ca. 2 – 2,5 Stunden.

Möglich ist im Anschluss auch eine Besichtigung der Stadtmodelle der alten Stadt im Stadtmuseum (Landhaus), Führungsgebühr: 15. – Euro pro Gruppe, Freitag ab 12.00 Uhr Eintritt frei, und/oder des Stadtmodells der heutigen Stadt im Lichhof des Neuen Rathauses, eine Auffahrt auf den Turm des Neuen Rathauses (des einzigen der Innenstadttürme, dessen Aussichtsplattform per Lift ohne Treppensteigen zu erreichen ist) und/oder eine Innenbesichtigung der Kreuzkirche am Altmarkt (ev.-luth. Hauptkirche der Stadt, Predigtkirche des Landesbischofs, Heimstatt des Dresdner Kreuzchores).

Dauer: dann ca. 3 Stunden.

Für persönliche Absprachen stehe ich Ihnen unter Tel. 49 (0) 351/471 32 24 gern zur Verfügung!