Bürgerwiese, Blüherpark, Großer Garten

8. Parkanlagen Dresden: Bürgerwiese/Blüherpark/Großer Garten

(Dresden entdecken: Fahrradtour oder Innenstadt-Parkwanderung)

Dem Zentrum der Landeshauptstadt Dresden, genauer: dem Gebiet der bis 1815/29 von einem Festungsring umgebenen ehemaligen Residenzstadt Dresden, schließt sich in südöstlicher Richtung eine handtuchförmige, langgestreckte und wenig breite Parkanlage an, die Bürgerwiese.

Seit dem 14. Jahrhundert wurde sie als Viehweide von den Einwohnern Dresdens genutzt, seit dem 15. Jahrhundert trägt sie den Namen Bürgerwiese.

Nach der Schleifung der Festungswerke ab 1813 öffentliche Parkanlage, 1843 – 50 unter Hofgärtner Karl Adolf Terschek (1782 – 1869) Anlage der Inneren Bürgerwiese im Biedermeierstil, 1858 – 63 Anlegung der Äußeren Bürgerwiese nach Plänen von Peter Joseph Lenné (1789 – 1866) bis zum Gelände des Zoologischen Gartens mit Einbeziehung des Kaitzbaches, der am südlichen Stadtrand entspringt.

Beginn der Besichtigungstour am Georgplatz, nahe des Festsaalflügels des Neuen Rathauses.

Parkanlagen Dresden

Festsaalflügel des Neuen Rathauses und Rathausturm, ganz rechts das Gewandhaushotel Dresden

Am Georgplatz Denkmal (1871) von Ernst Julius Hähnel (1811 – 1891) für Carl Theodor Körner (geb. am 23.09.1791 in Dresden, gefallen am 26.08.1813 bei Gadebusch/Mecklenburg), Dichter und Freischärler in den Befreiungskriegskriegen gegen Napoleon I.

Theodor Körner hatte als Angehöriger des Lützowschen Freikorps (Lützower Jäger) den auch heute noch bekannten und gern von Männerchören gesungenen Text: „Das ist Lützows wilde, verwegene Jagd“ geschaffen.

Nahe der Zinzendorfstraße, die die Bürgerwiese quert, der Mozartbrunnen (1907) von Hermann Hoseus (1875 – 1958), die Marmorskulptur „Venus, Amor die Flügel verschneidend“ (1886) von Theodor Heinrich Bäumer (1836 – 1898) und die Bronzegruppe: „Zwei Mütter“ (1899 – 1902) von Heinrich Epler (1846 – 1905),

dann weiter zum unmittelbar angrenzenden Blüherpark, vorbei am Stadion Dresden, der Spielstätte des Fußballclubs Dynamo Dresden,

zum 1928 – 30 nach Entwürfen von Wilhelm Kreis (1873 – 1955) errichteten Deutschen Hygienemuseum, 2003 – 2005 nach Plänen des Dresdner Architekten Peter Kulka restauriert,

gestiftet von Karl August Lingner (1861 – 1916), dem Produzenten des Odol-Mundwassers, Eigentümer der Villa Stockhausen, auch Lingnerschloss genannt, am Dresdner Elbhang auf Loschwitzer Flur zwischen Schloss Albrechtsberg und Schloss Eckberg gelegen, und Förderer der Hygienebewegung, die dann leider durch die Nationalsozialisten eine Pervertierung erfuhr.

Vor dem Hygienemuseum der „Ballwerfer“ (1907) von Richard Daniel Fabricius (1863 – 1923).

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Hygienemuseum, davor der „Ballwerfer“

Figurengruppen „Herakles und Megara“ sowie „Venus und Mars“, in den 1780er Jahren entstanden für den Garten des hier gelegenen Wohnsitzes des zweitgeborenen Prinzen, des eigentlichen Sekundogeniturpalais, 1945 zerstört.

Die Skulpturen werden Thaddäus Ignatius Wiskotschill (1753 – 1795) zugeschrieben.

Dorint Hotel Dresden.

1926 von Georg Arnhold gestiftetes Freibad.

Weiter zu Dresdens größter und bedeutendster Parkanlage, dem Großen Garten, ca. 1900 x 900 m groß, „Dresdens grüner Lunge“.

Kernbereich ab 1676 als französischer Barockgarten angelegt, mit Maillebahn (Herkulesallee) und Coursallee (Südallee), Planung von Oberlandbaumeister Johann Friedrich Karcher (1650 – 1726).

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Das Palais im Großen Garten

Torhäuser (1814) am Zugang zur Hauptallee des Großen Gartens von Gottlob Friedrich Thormeyer (1775 -1842), 1945 zerstört, 1997/98 wiedererrichtet.

Ab 1814 Gestaltung des äußeren Parkbereiches des Großen Gartens als englischer Landschaftspark.

Mosaikbrunnen („Kelchbrunnen“), 1926 geschaffen von Hans Poelzig (1869 – 1936).

Entlang der Trasse der Parkeisenbahn, 1930/31 anläßlich einer Internationalen Hygieneaussstellung angelegt, ab 1950 von Kindern als „Pioniereisenbahn“ betrieben, heute „Parkeisenbahn“ genannt, und noch immer von jungen Eisenbahnfreunden (unter Anleitung Erwachsener) unterhalten, zum Zoologischen Garten (Zoo Dresden).

1861 als viertältester Zoo Deutschlands nach Berlin (1844), Frankfurt a.M. (1858) und Köln (1860) gegründet, 1859 zusammen mit der Bürgerwiese von Peter Joseph Lenné (1789 – 1866) gestaltet.

Bauwerke im Zoologischen Garten von Carl Adolph Canzler (1818 – 1903) entworfen (der in den 1880er Jahren auch das Zeughaus an der Brühlschen Terrasse, nachmalig „Albertinum“ genannt, für die Skulpturensammlung umgebaut hatte).

Am Eingang zum Großen Garten auf der Südseite an der Querallee Sandsteinlöwen von Gottlob Christian Kühn (1780 – 1828), die ursprünglich für die 1814 nach Entwürfen von Gottlob Friedrich Thormeyer geschaffene Treppe zur Brühlschen Terrasse bestimmt waren.

Ab 1873 Umgestaltung und Erweiterung der gesamten Parkanlage nach Südosten unter Carl Friedrich Bouché (1850 – 1933).

1882 – 86 Anlegung des vom Kaitzbach gespeisten Carolasees mit dem Ausflugslokal Carolaschlösschen von 1895 mit großzügiger Freiterrasse, am Carolasee Ruderbootstation.

In der Nähe des Carolasees (nördlich) steht die Skulptur „Die Zeit enthüllt die Wahrheit“ von Antonio Corradini (1668 – 1752), in den 1720er Jahren geschaffen.

Weiter zur Freilichtbühne „Junge Garde“, 1954 – 57 errichtet,

von dort zum Parkzugang an der Hauptallee mit den Skulpturenpaaren „Meleager und Atalanta“ sowie „Venus und Adonis“ (auch als „Aphrodite und Adonis“ bezeichnet), ca. 1719 von Hofbildhauermeister Johann Christian Kirchner (1691 – 1732) geschaffen,

weiter zum unweit gelegenen Parkeingang der parallel zur Hauptallee nördlich dieser verlaufenden Herkulesallee mit den beiden Skulpturen „Herakles (Herkules) und Busiris“ sowie „Herakles mit dem Kerberos“ („Herkules mit dem Drachen im Garten der Hesperiden“), Anfang der 1690er Jahre in der Werkstatt Balthasar Permosers (1651 – 1732) entstanden.

Über die Haupt- oder die Herkulesallee zurück in den Kernbereich des Großen Gartens mit dem in der Mitte gelegenen Palais, 1678 – 83 unter Oberlandbaumeister Johann Georg Starcke (1640 – 1695) als erstes Barockbauwerk in Dresden im Auftrag des späteren Kurfürsten Johann Georg III. (geb. 1647, Kurfürst ab 1680, gest. 1691) errichtet,

mit Figurenprogramm aus der antiken Mythologie: Juno, Minerva, Venus, Paris (Parisurteil), vermutlich von George Heermann (ca. 1640 – ca. 1700) geschaffen, verteilt auf Nord- und Südseite,

Büsten römischer Caesaren und Kaiserinnen, wohl von Jeremias Süßner (1653 – 1690) auf der West- und der Ostseite,

sächsisches Wappen und Kurhut, wahrscheinlich von Conrad Max Süßner (ca. 1650 – nach 1696).

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„Üppigkeitsvase“ von Antonio Corradini

Östlich vor dem Palais im Großen Garten liegt der Palaisteich, 1715 angelegt, an dessen Ostseite die „Üppigkeitsvase“ von Antonio Corradini (1668 – 1752), 1712 für 2500 Taler vom sächsischen Hof erworben.

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Palais im Großen Garten und Palaisteich, links eine der nach Entwürfen von Stefano Torelli geschaffenen Barockvasen

Südlich vom Palaisteich befindet sich das barocke Parktheater (Freilichttheater).

Am Palais im Großen Garten haben sich fünf von ursprünglich acht, 1684 – 94 nach Entwürfen von Johann Georg Starcke (um 1640 – 1695) geschaffene Pavillons erhalten,

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Einer der Pavillons („Kavaliershäuser“)

vier Barockvasen an den Ecken des Palaisteiches, in den 1740er Jahren geschaffen wohl nach Entwürfen von Stefano Torelli (1712 – 1784) von italienischen Bildhauern/Steinmetzen, die am Bau von Gaetano Chiaveris (1689 – 1770) Hofkirche ( 1739 – 1751/1754) mitgewirkt hatten.

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Eine der vier Barockvasen

Stadtwärts westlich des Palais im Großen Garten befindet sich die Marmorskulptur (1722) „Die Zeit entführt die Schönheit“ von Pietro Balestra (1672 – ca. 1729),

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Palais im Großen Garten, rechts vorn Marmorskulptur „Die Zeit entführt die Schönheit“

Kentaurengruppen „Eurythos und Hippodamia“ sowie „Nessus und Deianira“, um 1720 für den Garten  des Holländischen Palais, des späteren Japanischen Palais, von Antonio Corradini geschaffen, 1728 am Beginn der Hauptallee des Großen Gartens Richtung Innenstadt (Westseite Palaisrondell) aufgestellt.

Nordwestlich des Kernbereichs des Großen Gartens mit dem Palais und dem Palaisteich gelangt man zum Puppentheater Sonnenhäusel, 1955 errichtet.

Westlich davon schließt sich der 1820 am Kurländer Palais gegründete, 1889 – 92 in den Großen Garten verlegte Botanische Garten mit der berühmten „Königin der Nacht“ an.

Nordwestlich des Botanischen Gartens befindet sich die Gläserne Manufaktur von VW, Entwurf: Architekturbüro Henn, fertiggestellt 2005.

Am Straßburger Platz schließlich liegt der „Hauptbahnhof“ der Dresdner Parkeisenbahn.

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Lokomotive der Parkeisenbahn

Abschluß der (Fahrrad)-Tour/Parkwanderung durch den Großen Garten bzw. die drei aneinander angrenzenden Parkanlagen: Bürgerwiese, Blüherpark, Großer Garten am innenstadtseitigen Beginn der Herkulesallee im Großen Garten mit zwei Skulpturen aus der Werkstatt Balthasar Permosers: „Herkules mit der Lernäischen Schlange“ sowie der „Ruhende Herkules“, beide wohl bezugnehmend auf die Vorliebe Augusts des Starken, seine körperliche Kraft darzustellen, entstanden wohl schon kurz nach 1694, die damit zu den frühesten Dresdner Werken Balthasar Permosers gehören.

Dauer:

mit Fahrrad ca. zwei Stunden, zu Fuß ca. drei Stunden. Kürzungen sind selbstverständlich möglich, der Große Garten ist auch für sich allein als die größte und bedeutendste Parkanlage der Dresdner Innenstadt ein lohnendes und eindrucksvolles Ziel, dann per Fahrrad ca. 1,5 Stunden, zu Fuß ca. 2 Stunden. Auch Bürgerwiese und Blüherpark sind für sich allein einen Besuch wert, Dauer dann ca. eine Stunde.

Zur individuellen Absprache rufen Sie mich bitte einfach an: 49 (0) 351/471 32 24!

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