Friedrichstadt, Ostragelände

9. Friedrichstadt, Ostragelände

(Stadtteilführung)

Westlich der historischen Innenstadt bzw. der Inneren Altstadt liegt die älteste Vorstadt Dresdens, die Friedrichstadt. Die älteste Bebauung stammt aus der Zeit um 1670.

Ab 1730 ließ August der Starke den Stadtteil planmäßig mit geraden Straßen ausbauen.

Die neue Vorstadt erhielt um 1730 nach Kurprinz Friedrich August, dem einzigen ehelichen Sohn Augusts des Starken und Christiane-Eberhardines von Brandenburg-Bayreuth, den Namen Friedrichstadt.

Die Hauptverkehrsachse des Stadtteils ist die Friedrichstraße, an der alle bedeutenden Sehenwürdigkeiten der Friedrichstadt liegen.

Route Rundgang Friedrichstadt/Friedrichstraße:

Palais Brühl-Marcolini, Ostflügel mit Wohnsitz von Hofkapellmeister Richard Wagner – Gedenktafeln im östlichen Teil der Friedrichstraße, die an den Maler und Buchillustrator des Zeitalters der Romantik, Adrian Ludwig Richter, und an den Ingenieur Johann Andreas Schubert erinnern – Alter katholischer Friedhof – Bramschkontor – OstravorwerkMatthäuskirche – Ende am Neptunbrunnen im Park des Palais Brühl-Marcolini (heute Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt),

Dauer:

ca. 2 Stunden.

Ludwig Richter (1803, Dresden – 1884, Dresden) wurde 1803 im Gartenhaus des Grundstücks mit der Nummer 44 geboren.

Im Nachbarhaus, Nummer 46, wohnte Johann Andreas Schubert (1808, Wernesgrün – 1870, Dresden), der 1836/37 den ersten Elbdampfer, die Königin Maria(Stapellauf 1837), und die erste deutsche Dampflokomotive, die Saxonia (Inbetriebnahme 1839), konstruiert hatte.

– Am 7. April 1839 war die erste deutsche Ferneisenbahnlinie von Dresden nach Leipzig eröffnet worden. Die Saxonia durfte allerdings nur dem ersten Zug auf dieser Strecke nachfolgen, der von einer aus England stammenden Lokomotive gezogen werden mußte. –

Johann Andreas Schubert entwarf zusammen mit Robert Wilke die grandiose Göltzschtalbrücke im Vogtland, erbaut 1846 – 51.

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Blick vom Neustädter Elbufer in der Innenstadt in Richtung Westen, vorn die Augustusbrücke, links der Erlweinspeicher, rechts die Yenidze (“Tabakmoschee”), hinten rechts die Hafenmühle zwischen Friedrichstadt und Ostragelände

Die bedeutendsten Bauwerke der Friedrichstadt sind das Palais Brühl-Marcolini, von den Dresdnern oft einfach „Marcolinipalais“ genannt, und die Matthäuskirche.

Das Palais, heute zum Stadtkrankenhaus Dresden-Friedrichstadt gehörig, wurde 1727 wahrscheinlich unter Johann Christoph Neumann errichet, für Heinrich Reichsgraf von Brühl von Johann Christoph Knöffel ausgebaut, von Johann Daniel Schade um 1774 für Camillo Graf Marcolini klassizistisch erweitert, im 19. und 20. Jahrhundert zum städtischen Krankenhaus umgebaut.

Von der Innenausstattung des 18. Jahrhunderts ist nur das Chinesische Zimmer (Napoleonzimmer) erhalten.

1813 fand hier eine Begegnung Napoleon Bonapartes mit Fürst Metternich statt.

Im östlichen Seitenflügel des Marcolinipalais wohnte 1847 – 49 der Dresdner Hofkapellmeister Richard Wagner, der wegen seiner Teilnahme am Dresdner Maiaufstand von 1849 steckbrieflich gesucht wurde und deswegen 1849 aus Dresden geflohen war.

Im Garten des Palais Brühl-Marcolini steht an der südlichen Grundstücksmauer versteckt und schwer auffindbar der monumentale, 40 Meter breite Neptunbrunnen, 1741 – 46 von Lorenzo Matielli nach Entwürfen von Zacharias Longuelune geschaffen.

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Manufakturhaus Friedrichstraße 26 (barockes Fachwerkhaus) an der Friedrichstraße, im Verteidigungsfalle sollten die Bauwerke schnell abreißbar sein, um Artilleriefeuer aus der Festung Dresden zu ermöglichen

Unmittelbar westlich neben dem Marcolinipalais befindet sich an der Friedrichstraße die ev.-luth. Matthäuskirche, von Matthäus Daniel Pöppelmann, dem Architekten des Zwingers zu Dresden, entworfen, errichtet 1728 – 32.

In der Matthäuskirche ist der Oberlandbaumeister Augusts des Starken, M. D. Pöppelmann, (gest. 1736) auch beigesetzt.

Der Kirchturm ist nur 46 Meter hoch, dominiert jedoch aufgrund der umgebenden niedrigen Bebauung die Umgebung.
Auch die Matthäuskirche war 1945 ausgebrannt, das Äußere wurde in historischer Gestalt wieder hergestellt, das Kircheninnere durch Werner Juza modern gestaltet.

In der Friedrichstadt befinden sich vier bedeutende alte Friedhöfe:

Die Matthäuskirche ist vom Inneren Matthäusfriedhof umgeben. Auf ihm befinden sich die Grabstellen von Johann Andreas Schubert und von Wilhelm Walther, dem Schöpfer des Fürstenzuges am Langen Gang des Stallhofes an der Augustusstraße in der Dresdner Innenstadt.

Auf dem Alten Katholischen Friedhof, direkt gegenüber des Krankenhauses gelegen, liegen die Grabstelle des Bildhauers Balthasar Permoser, dessen Arbeiten sich im Zwinger und in der Kathedrale (ehemalige Hofkirche) Ss. Trinitatis befinden, das Grab des Hofkapellmeisters Carl Maria von Weber, das Grab des romantischen Malers Gerhard von Kügelgen sowie das Grab des Literaten und Philosophen Friedrich Schlegel.

Gedenksteine erinnern an die Grabstellen des Bildhauers Lorenzo Mattielli und des ‚Kirchenkomponisten‘ Jan Dismas Zelenka.

Diese Grabstätten sowie die bedeutenden Grabdenkmale aus der Zeit des Barock, des Rokoko und des Klassizismus machen den Alten Katholischen Friedhof in der Friedrichstadt zum bedeutendsten katholischen Friedhof in Sachsen.

Im Westen schließt sich an die Friedrichstraße die Bremer Straße an, an der der Neue Katholische Friedhof und der ev.-luth. Neue Matthäusfriedhof liegen.

Auf dem Neuen (Äußeren) Katholischen Friedhof wurde der Maler Adrian Ludwig Richter (1803 – 84) beigesetzt.

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Die Hafenmühle

An der Kreuzung von Friedrichstraße, Bremer Straße, Magdeburger Straße und Waltherstraße steht, weithin sichtbar, die Hafenmühle von Gottlob Traugott Bienert, 1913 von der Dresdner Baufirma Lossow & Kühne zeitgleich zum Schauspielhaus (gegenüber des Kronentores des Zwingers zu Dresden) am Postplatz errichtet.

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Blick von der Kuppel der Frauenkirche nach Westen, links der Turm der Kathedrale Ss. Trinitatis, links davon eine Dachhälfte der Semperoper am Theaterplatz, in der Bildmitte das Gebäude des Sächsischen Landtages, dahinter das Maritim Hotel (Erlweinspeicher), hinter dem Tum der Kathedrale die Zigarettenfabrik Yenidze, dahinter die Friedrichstadt und rechts das Ostragelände, im Hintergrund oben der Elbhang (Lößnitzhang) in Radebeul, das sich westlich unmittelbar an Dresden anschließt

Nördlich hinter der Hafenmühle liegt an der Elbe der 1890 – 95 angelegte große Alberthafen, benannt nach dem sächsischen König Albert (1828 geb., König von 1873 bis 1902, Sohn von König Johann).

Im Norden, Richtung Elbe, schließt sich das Ostragelände, früher Ostragehege, an. 1568 ließ Kurfürst („Vater“) August hier ein Vorwerk anlegen.

1832 entstand das Bild Das große Ostragehege bei Dresden des aus Greifswald stammenden Wahldresdners Caspar David Friedrich, das sich heute in der Gemäldegalerie Neue Meister im Albertinum an der Brühlschen Terrasse in Dresden befindet.

Über die Schlachthofstraße und eine 320 Meter lange Brücke gelangt man zum Schlachthofgelände, bebaut 1906 – 13 als Städtischer Vieh- und Schlachthof Dresden unter Stadtbaurat Hans Erlwein mit ca. 30 Gebäuden mit Jugendstilelementen.

Der ehemalige städtische Schlachthof wird seit 1999 als Messegelände genutzt.

Setzt man den Weg von hier aus in Richtung Innenstadt fort, gelangt man an die unmittelbar an der Eisenbahntrasse zwischen Dresden-Altstadt und Dresden-Neustadt gelegene Zigarettenfabrik Yenidze, benannt nach einer türkischen Tabakstadt, 1908/09 nach Plänen von Martin Hammitzsch in der Form einer orientalischen Moschee errichtet (hier wurde Orienttabak verarbeitet), heute als Bürohaus und Kulturzentrum genutzt.

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Die Zigarettenfabrik Yenidze

Die nahegelegene Marienbrücke, 1846 – 52 als zweiter Elbübergang nach der Augustusbrücke in Dresden errichtet, stammt von Wasserbaudirektor Johann Gottlieb Lohse.

Auf dem Weg in die Innenstadt folgt das neue Kongresszentrum, 1997 – 2004 errichtet, und der 1913 von Hans Erlwein entworfene Erlweinspeicher, jetzt saniert und als Maritim Hotel genutzt.

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Das Maritim Hotel (Erlweinspeicher)

An der Devrientstraße folgt dann das Gebäude des ehemaligen Landesfinanzamtes, 1928 – 31 erbaut, in der DDR-Zeit Sitz der SED-Bezirksleitung, heute zum Gebäude des Sächsischen Landtages gehörend.

An der Stelle von dessen 1945 zerstörten Elbflügel entstand 1991 – 94 der neue Plenarsaal des Dresdner Architekten Peter Kulka.

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Der Sächsische Landtag

Im Osten, Richtung historische Innenstadt, folgen die Funktionsbauten der Semperoper am Theaterplatz mit der Probebühne.

Wir sind in der historischen Innenstadt angekommen.

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Blick vom Turm der Kathedrale Ss. Trinitatis nach Westen, vorn der Theaterplatz, rechts die Semperoper, links das Gebäude der Gemäldegalerie Alte Meister von Gottfried Semper, in der Mitte hinten die Yenidze

Dauer Rundgang Friedrichstadt:

knapp zwei Stunden, mit dem Ostragelände ca. 2,5 – 3 Stunden.
Für den dazwischen zu absolvierenden Weg empfiehlt es sich, die Straßenbahn (Linie 10) oder den Stadtbus Linie 94 zu benutzen.

Zwecks individueller Absprache können Sie mich bitte einfach anrufen: Tel. 49 (0) 351 471 32 24.

Preise Stadtführungen Dresden:

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